Was tun bei "Schädlingen"?

Dass der Einsatz giftiger, synthetischer Stoffe gegen Ameisen, Läuse, Raupen, weiße Fliegen & Co. gravierende Nachteile für Mensch und Umwelt hat, steht außer Frage. Generell gilt: Lass dich von einem geringen Schädlings-Befall nicht gleich aus der Ruhe bringen. In einem naturnahen Garten geht er meist von selbst zurück. Allerdings kann es natürlich bei ungewöhnlichen Witterungsverhältnissen oder anderen äußeren Faktoren, die Stress für die Pflanzen bedeuten, zu einem länger anhaltenden, stärkeren Befall kommen. Dann gibt es mehrere Handlungsmöglichkeiten:

Ganz einfach: Handarbeit:
Das frühzeitige Absammeln der “Schädlinge” verhindert deren Vermehrung und beugt so größeren Schäden vor.

Rechtzeitiges Ernten:
Dadurch werden "Schädlinge" erst gar nicht angezogen.

Pflanzenjauchen, -tees und -brühen:
Neben dem negativen Effekt auf einige “Schädlinge” stärken sie zusätzlich die Abwehrkräfte deiner Pflanzen. Wenn du genauer nachlesen willst, wie diese kleinen “Zaubermittelchen” hergestellt werden, schau doch hier auf der Seite vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) nach.

Bauliche Maßnahmen:
Schneckenzäune, nicht zu feine Netze oder Vliese können vor unliebsamem Tierbesuch schützen. Vorsicht bei der Auswahl der Materialien: In zu feinen Netzen oder wenn sie keinen Ausgang finden, können sich Singvögel darin verfangen und sterben.

Natürlichen Antagonisten:
So werden die Gegenspieler von Tieren genannt, die wir Menschen für gewöhnlich als “Schädlinge” oder “Ungeziefer” bezeichnen. Für uns nicht so toll - für andere Tiere sind sie sogar ein leckeres Mittagessen und damit und ein wichtiger Bestandteil der Nahrungskette. Wie praktisch wäre es da, diese kleinen Helferlein einfach in die Nähe der angebauten Kulturpflanzen zu locken? Das ist nämlich gar nicht so schwer!

Im folgenden stellen wir dir die häufigsten “Schädlinge” inklusive Gegenmitteln und natürlicher Antagonisten vor.

Blattläuse

Gerade bei deinen Beten, Bohnen, Kartoffeln oder Kohl kann es passieren, dass es sich dort Blattläuse bequem machen. Blattlausbefall ist immer wieder ein heiß diskutiertes Thema: Reichen die Selbstregulierungskräfte der Natur, den Befall mindestens einzudämmen oder muss der Mensch doch zu anderen Maßnahmen greifen, um wenigstens einen Teil der Ernte retten zu können? Welche Möglichkeiten zwischen “nichts tun” und “Gifteinsatz” sind also sinnvoll?

Da sich die chemische Keule in vielfacher Hinsicht auf Lebensräume, Pflanzen, Tiere und auch Menschen auswirkt, suchen wir nach Alternativen zum Gifteinsatz. Das Gift hat zwar tödliche Auswirkungen auf tatsächliche und vermeintliche Schädlinge – aber es wirkt sich eben auch auf andere Tiere und Pflanzen aus, die Bodenlebewesen eingeschlossen. Vielmehr hat der Einsatz von chemischen Stoffen einen tiefergreifenden Effekt auf das gesamte Nahrungsnetz: Fehlen den Vögeln und Fledermäusen die Insekten als Futter, nimmt ihnen das auch die Lebensgrundlage. Außerdem sind etwa 90 % der Wildpflanzen von der Bestäubung durch Insekten abhängig.

Oft sind es Ameisen, die Blattläuse wegen ihrer süßen Ausscheidungen (Honigtau) nicht nur melken, sondern auch schützen und an geeignete Stellen auf den Pflanzen tragen. Können wir die Kräfte der Natur stärken, indem wir natürliche Feinde, also Nützlinge und damit natürliche Antagonisten wie Marienkäfer, Schlupfwespen, Flor- und Schwebfliegen anlocken?

Turtle Exkurs: Nützlinge

Die Ansiedlung von Nützlingen durch naturnahe Gartengestaltung und angebotene Nisthilfen ist ökologischer Pflanzenschutz. Gärten, die viele naturnahe Elemente wie Hecke, Wiese, Tümpel, Steinhaufen, Totholzstapel oder Nisthilfen enthalten, verhindern durch die dort lebenden Nützlinge eine Ansiedlung von Schädlingen.

Die Zahlen sind beeindruckend: Bis zu 600 Blattläuse kann ein einzelner Marienkäfer in seinem Leben vertilgen, die meisten davon in seinen Larvenstadien. Die unbeweglichen Puppen, aus denen bald die farbenfrohen Käfer schlüpfen, bitte unbedingt schonen! Nach dem Schlupf werden die immer hungrigen Käfer durch Nahrung angelockt. Somit ist es hilfreich, im Garten ein paar verlauste Beikräuter stehen zu lassen. Zusätzlich ist ein Naturwiesen-Bereich im Garten, Topf oder auf dem Balkon sinnvoll. Der Marienkäfer liebt stark verlauste Pflanzen wie Dill, Schafgarbe oder Kamille. Diese Blütenpflanzen sehen außerdem noch hübsch aus. Zum Überwintern bevorzugt der Marienkäfer hohe Grasbüschel, lose Borke an Bäumen oder Steinhaufen. Flor- und Schwebfliegenlarven ernähren sich ebenfalls hauptsächlich von Blattläusen.

Blattläuse am Kohl mit Schwebefliegenlarven


Eine weitere, weniger bekannte, aber einfache Methode ist es, die dicksten Blattlauskolonien mit den Fingern zu zerdrücken und die Schmiere an den Pflanzen zu belassen. Zuerst sollte man aber nachschauen, ob nicht bereits Nützlinge am Werk sind. Bei dieser zugegeben etwas unappetitlichen Arbeit am besten keine Handschuhe verwenden, damit die Pflanzen dabei möglichst nicht beschädigt werden. Hände waschen danach ist natürlich erlaubt und auch empfohlen. Die toten Läuse werden von den Ameisen aufgefressen und der intensive "Läuse-Duft" lockt dann wiederum Nützlinge an. Da zeitweilig weniger Honigtau anfällt, kommen auch weniger Ameisen, die die Läuse mitbringen. Das stärkt die befallen Pflanzen, und dadurch bekommen die Nützlinge außerdem gute die Chancen, die Oberhand zu gewinnen. Honigtau ist ein zuckerhaltiges Ausscheidungsprodukt verschiedener Pflanzen und damit eine beliebte Nahrungsquelle für verschiedene Insekten. 

Da Ameisen die Läuse aber immer wieder an geeignete Stellen tragen, hilft das oft empfohlene Abspritzen der Pflanzen mit einem scharfen Wasserstrahl nur zeitweilig und ist gerade bei empfindlichen Jungpflanzen ebenfalls schädlich.


Ein weiteres Hausmittel zum Einsprühen der Pflanzen hat sich bewährt: Kern- oder Schmierseife gemischt mit Essig, Tabaksud oder Knoblauchbrühe. Das Gemisch wird hauptsächlich auf die Blattunterseiten und auf die Triebspitzen gesprüht, wo es dank der Seife haften bleibt.

Mehr Informationen zum Thema “Gärtnern ohne Pestizide” und Wirkung von Pestiziden findest du hier auf der Seite vom BUND.



Unbekanntes Fraß-Objekt: die Minierfliege


Ein paar Blätter unserer Bohnenpflanzen haben im vergangenen Jahr unregelmäßig gewundene Gänge gezeigt, sogenannte Minen. Sie treten auf dem gesamten Blatt auf, sind blass gefärbt und heben sich gut vom restlichen Blatt ab. In den Gängen lassen sich kleine schwarze Punkte erkennen. Das ist die Larve einer Minierfliege. Die Fliege selbst ist 1-2 mm groß, und die Weibchen legen die Eier im Blatt ab. Daraus schlüpfen die Larven, die sich durch das Blatt fressen und dann im Boden verpuppen.

Minierfliegen kommen in nahezu jedem Garten vor. Wenn genügend Fressfeinde, also Nützlinge, zur Verfügung stehen, sollten sie kein Problem darstellen. Zum Glück haben die Minierer viele Fressfeinde: Wespen, Käfer und Singvögel zum Beispiel. Dennoch ist es erforderlich, die befallenen Blätter abzusammeln, und wenn der Befall zu stark wird, sie vorbeugend mit Brennnessel-Jauche zu behandeln.  

Raupen

Lass dich von einem geringen Raupen-Befall nicht aus der Ruhe bringen. Er geht in einem naturnahen Garten oft von selbst zurück. Bei länger anhaltendem, stärkerem Befall, der meist als Folge ungewöhnlicher Witterungsverhältnisse auftritt, gibt es einige erprobte Maßnahmen.

Zunächst empfiehlt es sich, die Raupen abzusammeln, denn das beugt größeren Schäden vor. Aber Vorsicht! Hierzu am besten Handschuhe tragen oder geeignetes Werkzeug verwenden (z.B. Pinzetten), denn einige Raupen sind unangenehm beim Anfassen und können sogar allergische Reaktionen hervorrufen. Die Pflanzen gründlich absuchen, denn einige Raupen sind vielleicht noch sehr klein, haben sich in Blattachseln oder auf den Blattunterseiten versteckt oder sind sehr gut getarnt.

Kaffee ist eines der Hausmittel, die gern empfohlen werden. Bei Spritzbrühen immer ein paar Tropfen Spülmittel zugeben, um die Haftung des Mittels zu verbessern. Schmier- oder Kernseife haben eine direkte, negative Wirkung auf die meisten Raupen. Daher solltest du beobachten, ob die Spritzbrühe Wirkung zeigt und die Behandlung ggf. mehrmals wiederholen.

Ebenso gibt es natürliche Gegenspieler, die im ökologischen Pflanzenschutz zum Einsatz kommen. Zahlreiche Singvögel fressen Insekten und deren Larven, darunter eben auch Räupchen - und füttern ihre Jungen damit. Wespen und Hornissen füttern ihre Brut damit, und Schlupfwespen legen ihre Eier direkt in die Raupen ab, in denen sie sich dann entwickeln. Meist fallen sie uns dann erst bei der Verpuppung auf.


Präventive Maßnahmen greifen am ehesten in größeren, langjährig bewirtschafteten Flächen. Balkonstandorte und Topfkultur bedeuten für die Pflanzen meist extreme Stresssituationen und machen sie für Schädlinge bzw. Krankheiten aller Art besonders anfällig. Dennoch lohnt es sich, Garten und Balkon so einzurichten, dass Nützlinge angelockt werden. 

Weiße Fliegen

Richtiger handelt es sich hierbei um Mottenschildläuse, die vor allem Kohlpflanzen gern befallen. Dabei bevorzugen sie eher ältere Blätter. Wenn wir den Palmkohl rechtzeitig ernten und welke Blätter entfernen, die Pflanzen also regelmäßig nutzen und putzen, haben sie kaum eine Chance, sich massenhaft zu vermehren. Sollte das doch einmal der Fall sein, stellen sich winzige Schlupfwespen ein, die ihnen den Garaus machen. Diese Blätter solltest du dann in der Nähe weiterer Befallsherde belassen.



Schnecken

Diesen "Schädlingen" haben wir bereits einen eigenen Beitrag gewidmet. Diesen kannst du hier nachlesen.