Saatgutvermehrung von Kartoffeln

Kartoffeln haben eine ganz besondere Eigenschaft, wenn es um Vermehrung geht. Denn sie können sich sowohl generativ, das heißt über Samen, als auch vegetativ über ihre Knollen vermehren. 

Den Unterschied und wie du selbst Kartoffeln vermehren kannst, erklären wir dir im Folgenden.

Vegetative Vermehrung

Die Vermehrung über die Knollen ist die gängige Art, Kartoffeln zu vermehren. Dass die Knollen nach längerer Lagerung austreiben, kennt wohl jeder aus seiner Vorratshaltung. Legt man keimende Kartoffeln im Frühjahr in die Erde, wächst daraus eine Pflanze mit den Eigenschaften der ursprünglichen Sorte.

Kann ich eigentlich meine eigene Ernte oder einfach eine gekaufte Speisekartoffel verehren? Oder benötige ich spezielle Saatkartoffeln?

Grundsätzlich kannst du einfach eine beliebige Kartoffel nehmen, vorkeimen lassen und in die Erde bringen. Rein optisch gibt es keinen Unterschied zwischen Speisekartoffeln und speziellen Saat- oder auch Pflanzkartoffeln. Speisekartoffeln bringen jedoch nach mehrjähriger Vermehrung mitunter geringere Erträge, weil sie oft mit Viren befallen sind, die sie weitergeben. Speziell für die Vermehrung gezüchtete Pflanzkartoffeln hingegen werden auf Bakterien und Viruskrankheiten hin untersucht und erhalten eine amtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung. Beim Kauf von Saatkartoffeln achtest du am besten auf unbehandelte Knollen, im Idealfall aus biologischer Vermehrung.

Die Vermehrung der eigenen Ernte ist zwar nicht verboten, für den Handel sind Speisekartoffeln jedoch nicht als Saatkartoffeln zugelassen. Du kannst es also gern einmal probieren, deine eigene Ernte zu vermehren, indem du eine Knolle über den Winter einlagerst und im Frühjahr wieder in die Erde bringst. Vielleicht ist bei dir ja auch schon einmal unverhofft eine Kartoffel gewachsen, weil du im letzten Jahr eine Knolle im Boden vergessen hast? Übrigens geht es auch andersherum: Pflanzkartoffeln können auch gegessen werden, solltest du einmal welche übrig haben. Das ist dann nur eine etwas teurere Variante.


Wie kann ich eine Kartoffel bis ins nächste Jahr aufheben?

Damit die Kartoffel nicht bereits beginnt zu keimen, solltest du sie nach der Ernte an einem kühlen, dunklen, gut belüfteten Ort aufheben, am besten in trockenem Sand. So kann sie bis zum nächsten Frühjahr überwintern.

Generative Vermehrung

Kartoffelpflanzen bilden aus ihren Blüten nach der Befruchtung manchmal kleine grüne Beeren, ihre Früchte. Kartoffeln sind übrigens sowohl Selbst- als auch Fremdbefruchter. In den Früchten der Kartoffelpflanzen befinden sich die Samen. Das besondere ist, dass jedes Samenkorn in den Früchten ein einzigartiges Individuum mit nie zuvor dagewesenen Eigenschaften ist. Damit ist jeder Samen quasi eine eigene Sorte und die Reproduktion vorhandener Sorten über Samen demnach nicht möglich.

Die Vermehrung über Samen ist etwas langwieriger als die Vermehrung über Knollen, denn erst im zweiten Jahr wird die Pflanze eine richtige Ernte ermöglichen. Im ersten Jahr wird die Pflanze nicht so groß wie eine Pflanze aus vegetativer Vermehrung und hat viel weniger Energie. Sie bildet daher im ersten Jahr meist nur eine kleine Knolle, die im zweiten Jahr dann ausgebracht wird. Zum Überwintern solltest du die kleine, empfindliche Knolle aus dem ersten Jahr, die aufgrund ihrer Größe schnell austrocknet, in feuchtem Sand an einem dunklen Ort bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt einlagern und dann im Frühjahr ausbringen.

Wie deine selbst gezüchtete Kartoffel dann aussieht und schmeckt - das weißt nur du, denn sie ist einzigartig. Vielleicht schmeckt sie gar nicht - auch dass kann passieren. Oder auch, dass aus den Samen gar keine Pflanzen wachsen. Es ist und bleibt der Wille der Natur.


 

Du möchtest deine eigene Kartoffelsorte züchten?

Einen Versuch ist es allemal wert, und es ist gar nicht so schwer. Dazu musst du zunächst die die Samen aus der Frucht herausholen. Dabei gehst du folgendermaßen vor:

  • du halbierst die Frucht mit einem Messer und quetschst die Samen vorsichtig aus der Frucht.
  • Die Samen mit der sie umgebenden gallertartigen Masse gibst du in ein mit etwas Wasser gefülltes verschließbares Glas (z.B. altes Marmeladenglas).
  • Die Samen lässt du etwa eine Woche in dem Wasser stehen. Einmal pro Tag solltest du die Flüssigkeit umrühren um zu vermeiden, dass sich eine Schimmelschicht auf dem Wasser bildet.
  • Nach ca. 1 Woche sollten die Samen sich von der gallertartigen Masse gelöst und am Boden abgesetzt haben. Dann gießt du alles durch ein feines Sieb und spülst die Samen mit kaltem, klaren Wasser ab.
  • Anschließend legst du sie zum Trocknen auf ein Baumwolltuch oder einen Kaffeefilter. Die Samen müssen gründlich austrocknen, damit sie nicht beginnen zu keimen. Bereits gekeimte Samen werden für die Aussaat unbrauchbar.
  • Wenn das Saatgut durchgetrocknet ist, füllst du es am besten in ein Papiertütchen und hebst es an einem trockenen, dunklen und kühlen Ort bis zur Aussaat auf.
fest verschließbares Glas
waschen
in Filter füllen
beschriften

Eine Alternative ist, die ganze Beere austrocknen zu lassen und diese ebenfalls an einem trockenen, dunklen und kühlen Ort bis zum kommenden Jahr aufzuheben. Im Frühjahr legst du die Beere für 2-3 Tage in ein Wasserbad, so dass sie wieder weich wird. Du kannst dann die Beere mit den Fingern zerquetschen und die Samen mit dem Fruchtfleisch aussäen.


Wie und wann säe ich Kartoffeln?

Genau wie bei der vegetativen Vermehrung säst du Kartoffelsamen im Zeitraum von Ende April bis Mai aus. Dazu streust du die Samen bzw. gießt das Wasser mit dem Fruchtfleisch und den Samen direkt auf den Boden. Den solltest du nun gleichmäßig feucht halten. 

Black Turtle – Alte Sorten für junges Gemüse – ist ein Projekt von Ackerdemia e. V., gefördert im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Verbundvorhabens “Alte Sorten für junges Gemüse“ zusammen mit dem BUND Brandenburg.